Tagebuch Ostfront

Aus dem Tagebuch eines Panzerschützen der von 1941 bis 1945 gekämpft hat. Schonungslos notiert beschreiben seine Aufzeichnungen das tatsächliche Gesicht des Krieges und die Verluste auf beiden Seiten.

Tagebuch 14.8.1941 #1

Ostfront Heeresgruppe Mitte

Heute soll es gegen den Russen gehen. Unsere Besatzung hat alles Notwendige erledigt und wir sind guten Mutes für die nächste Angriffsoperation. Der Auftrag den unser Kommandant, Oberfeldwebel Hansen für uns aus dem Kompaniebesprechung mitgebracht hat lautet: Vorstoß zum nächsten Dorf Höhe 142 und ausschalten von Widerstandnestern.

Trotz der Verluste der letzten Tage sind wir zuversichtlich mit unserer Erika (Panzer III) und der 3,7cm Kanone etwas zu bewirken.

Wir fahren ca. 3 km auf alten Feldwegen bis zum Breitstellungsraum. Ein Unteroffizier der Panzeraufklärer weißt uns in die Lage ein.

In ungefähr 5 km Entfernung soll ein kleines Dorf sein und scheinbar sitz da der Russe drin.   Aufgrund der PAK Gefahr wollten die Panzerspäher nicht weiter vorfahren. Also Fächern wir mit drei Panzer III auf und gehen in Keilformation. Rechts und links wird mit gedrehtem Turm gesichert und unser Kommandant steht im Turmluk und beobachtet.    

Ich habe mein Auge an der Optik und beobachte den Vorausbereich…wir fahren Spitze

10 Minuten später knallt es auch schon und der rechts fahrende Panzer, Besatzung Krause,  bleibt liegen. Über Funk hören wir, dass es ein Kettentreffer im rechten Laufwerk war. Wir stoppen und versuchen die Quelle zu lokalisieren. Der Turm schwenkt nach rechts und angestrengt schaue ich durch die Optik. Die Baumreihe scheint verdächtigt und im selben Moment bekommen wir MG Beschuss aus dem Dorf. Die Geschosse prallen wirkungslos an uns ab, die beiden Panzerspähwagen haben damit schon mehr Problem. Der Linke Panzer, Besatzung Stroh nimmt den Feuerkampf auf und zieht vor.

 Zusammen mit den Panzergrenadieren schießen Sie Deckungsfeuer. Wieder ein Knall und diesmal ein Treffer bei uns am Turm. Uns klingeln die Ohren aber die Turmpanzerung und der Winkel hat uns gerettet. Damit hat sich die PAK aber nun verraten. Ich gebe die Zielansprache durch und unser Kommandant gibt den Feuerbefehl. In kurzer Folge schlagen drei Garanten in das Geschütz ein und es rührt sich nichts mehr. Das Feindfeuer aus dem Dorf wird schwächer und wir könenn anfahren.

Bis wir am Dorfrand sind haben die Grenadiere schon die Widerstandsnester niedergekämpft und heben nun die kleinen Russenhäuser aus. Hütten brennen und überall tote Russen in ihren Erdbraunen Uniformen.

Als der Feuerkampf vorüber ist schauen wir uns den Turmschaden an. Hat eine ordentliche Delle gegeben aber das PAK Kaliber war zu klein um durchzuschlagen.

Als wir zurück am Gefechtsstand sind erzählen uns die Grenadiere von zwei weiteren Geschützstellungen mit den gefürchteten Ratsch Bumm Geschützen. Aber scheinbar gab es dafür keine Munition und die Besatzungen sind getürmt.

Glück gehabt. Heute ohne Verluste …….

Copyright 2019 : Alle Rechte bei dem Verfasser Sascha Ulderup

Tagebuch 16.8.1941 #2

Ostfront Heeresgruppe Mitte

Heute war die Instandsetzungstruppe endlich fertig mit dem Turm unserer Erika. Ich hatte die Hoffnung das wir einen anderen Turm mit einer 5 cm Kanone bekommen…..aber das sollte noch nicht sein.  Also wird es nicht einfacher wenn wir wieder auf den T34 treffen.

Momentan ist es etwas ruhiger in unserem Bereich, viele Flugzeuge am Himmel die gen Osten fliegen. Wir hören die Motoren brummen und in der Ferne die Explosionen der Bomben. 20 km hinter der Front sind wir wohl und warten auf die nächsten Befehle. Am Nachmittag soll es losgehen, gewaltsame Aufklärung mit einem Panzerspähwagen PSW 222 lautet der Auftrag. Die PSW sind klein und schnell aber nicht gut gepanzert….nun ja sollen ja auch nur aufklären und wie der Wind zurückkommen. Der Fahrer im SPW ist mein alter Freund Willy aus den Ausbildungstagen. Wir sollen als Aufpasser mit unserer Erika den Rückzug decken falls Feindkräfte unseren Spähwagen bedrängen.

Aufgesessen uns los geht’s bis an die Frontlinie. Über Funk hören wir das vor uns nur Rusische Infanterie liegen soll, können sicher eine paar Panzerbüchsenschützen dabei ein…also immer Obacht.

Der PSW prescht vor und fährt ca. 500 m voraus. Nach 2 km wendet er und kommt zurück. Wir schließen auf und weiter geht es ohne Feindkontakt. Ebenes Gelände mit kleinen Erhebungen und vereinzelte Baumreihen. Das Gelände steigt an und wir sind froh langsam auf die Anhöhe zu fahren ohne Feuer zu bekommen. Eine Buschreihe am Hang sieht verdächtig aus. Wir sehen unsere PSW langsam rückwärts rollen bis er mit uns auf gleicher Höhe ist. Unser Kommandant unterhält sich mit dem Kommandanten des PSW und wir werden in die Lage eingewiesen.

Scheinbar ist hinter der Anhöhe eine Senke. In der Senke liegt eine Artilleriestellung und scheint sich sehr sicher zu sein das sie weit hinter der Front liegen. Schätzen das es ein halbes Artillerieregiment  sein müsste.   Über Funk rufen wir die Stukas die sich auch in 15 Minuten ankündigen. Trotzdem wollen wir dem Ivan den Rückzug verlegen und angreifen.   

Unser PSW umfährt die Senke weiträumig und nach 10 Minuten wird Leuchtkugel Grün geschossen. Für uns das Zeichen durch die Buschreihe zu brechen und das Feuer auf den Gegner zu eröffnen.

Die 3 ,7 cm Kanone und unser Bug MG halte dazwischen. Der PSW mit der 2 cm Kanone nimmt die LKW unter Feuer und versucht den Rückweg zu blockieren. Ein heilloses Durcheinander von explodierenden Geschützen und Fahrzeugen, Benzinfässern und schreienden Russen. Geschockt von unserem Angriff und mit wenig Gegenwehr versuchen sich die armen Teufel zu retten. Endlich kommen die Stukas und werfen Ihre Bomben in die Senke. Wir bekommen ein paar ungezielte MG Garben ab aber keine schweren Treffer durch die Russische Artillerie. Nach 30 Minuten ist der Spuk vorbei und was noch in der Senke am Leben ist ergibt sich und kommt mit erhobenen Händen auf uns zu. Aber den Russen ist nicht zu trauen. Vorsichtig klettert unser Funker aus dem Panzer und hält die Russen in Schach…..nun heißt es warten bis die Grenadiere auftauchen.

Jetzt steigen wir auch aus und gehen mit unseren MP den Russen entgegen. Grauenhaft was unsere Geschosse angerichtet haben. Über 200 tote und schwer verletzte Russen liegen in einem Wirwarr aus Geschützteilen und zerschossenem Material. Unmenschliche Schreie die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Ein Russe kommt näher heran und spricht uns auf Deutsch an. Er wäre Arzt und hat in Deutschland studiert. Er möchte seinen Kameraden helfen und wir erklären ihm er kann mit seinen 20 Leuten die Verwundeten bergen und Abseits ablegen. Kurze Zeit später bittet er uns um eine Pistole um die Schwerstverletzten von Ihrem leiden zu erlösen. Unser Kommandant stimmt zu und übergibt eine Pistole und zwei Magazine. Die Auflage ist die Waffe und Munition über dem Kopf zu halten bis er in der Senke ist. Dann kann er laden und tun was er tun muss. So kann er uns nicht gefährlich werden und wir haben genügend Abstand um nicht in Gefahr zu sein. Schuss um Schuss durchbricht die Stille Rauchend schauen wir dem unwirklichen Treiben zu. Als die Grenadiere auftauchen weisen wir den Oberleutnant in die Situation ein, damit die den Arzt nicht gleich abknallen.

Mit rauchgeschwärzten Gesichtern geht es ein paar Kilometer zurück. Unser Gefechtsstand hat vorverlegt und wir haben einen neuen Bereitstellungsraum bekommen.

Copyright 2019 : Alle Rechte bei dem Verfasser Sascha Ulderup

Tagebuch 20.8.1939 #3

Ostfront Heeresgruppe Mitte

 Die letzten Tage waren nur vom Vormarsch geprägt. Kaum Kampfhandlungen außer kleinen Scharmützeln mit den Russen. Im Nachbarabschnitt sind einige BT durchgebrochen und haben versucht die Trosseinheiten zu vernichten. Doch unsere Infanterie hat dazwischengefunkt und 4 der BT`s mit Handgranaten kampfunfähig gemacht.

Unser Funker Heinz hat sich am Fuß verletzt, reicht nicht für eine Fahrt nach Hause aber er sitzt ja eh im Panzer. Wird schon wieder.

Wetter ist noch ganz passabel und man kommt auf der Rollbahn gut voran. Der Nachschub rollt noch gut mit, wir dürfen nur nicht zu schnell werden damit die Versorgungseinheiten nachziehen können. Die weiten Landmärsche schmecken unserem Kommandanten gar nicht so recht. Das ist für das Material nicht gut, scheint aber nicht anders zu gehen.

Wir stoppen auf einer größeren Lichtung und warten auf weitere Anweisungen. Über uns sehen wir die Flieger kreisen und hoffen das es die eigenen sind.

Leider nicht, es gibt Fliegeralarm und wir machen die Luken dicht. Da rauscht es auch schon heran und die Bomben landen zwischen unseren Fahrzeugen. Anfahren geht nicht da wir nicht wissen wer alles um uns herum im Dreck oder unterm Panzer liegt.

Also abwarten bis der Spuk vorbei ist. Als es ruhiger wird schauen wir vorsichtig aus dem Panzer und sehen ein paar zerstöre LKW und Kameraden die noch am Boden liegen.

Ein junger Gefreiter liegt nur ein paar Meter von uns entfernt und ich greife meine San Tasche um ihm zu helfen. Als ich bei Ihm bin sehe ich das der Brustkorb aufgerissen ist und das linke Bein fehlt. Ich versuche das Bein abzubinden aber das Loch in der Brust scheint auch zu groß. Mit schreckensgeweiteten Augen schaut er mich an, wohl erst 20 Jahre der Knabe, er versucht mir etwas zu sagen aber aus sein Munde kommen nur Blasen und Blut. Das wird nichts mehr und ich halte ihn fest bis das letzte bisschen Leben aus seinem Körper geflossen ist und er die Augen schließt. Nicht der erste Kamerad in meinem Armen der fürs Vaterland gefallen ist……aber es ist immer wieder schlimm das mitmachen zu müssen. Ich beneide die Sanis nicht und bin froh bald wieder im Panzer zu sitzen.

Mit Blutigen Händen sitze ich auf dem Turm und rauche bis es weitergeht. 8 Mann haben wir verloren, davon 5 tote und 3 verwundetet. Wo waren bloß unsere glorreiche Luftwaffe……

Copyright 2019 : Alle Rechte bei dem Verfasser Sascha Ulderup


Tagebuch 25.8.1941 #4

Es wird nicht besser für den Russen. Überall preschen wir vor und lassen die russischen Einheiten  links liegen damit die Infanterie sich darum kümmern kann. Wir machen einen längeren halt an einem Fluss und warten auf die Pioniere die den Übergang für unsere Panzer ermöglichen sollen. Die sind aber noch so weit weg das wir uns erstmal auf eine längere Wartezeit einstellen. In der Zeit untersuchen wir die Uferböschung in beiden Richtungen ob man nicht doch irgendwo durchfahren kann.

Ein Unteroffizier der Infanterie bringt einen Russen zum mobilen Gefechtsstand. Dieser kennt angeblich eine Furt diewir mit unseren Panzern nutzen könnten. Mir ist der Fluss zu tief und hat zu viele Strömung. Nach kurzer Zeit ist die Führung überzeugt und wir machen uns auf den Weg in südliche Richtung. Nach ca. 1 Stunde kommen wir an eine Stelle die zwar nicht wie eine flache Stelle aussieht aber wenn der Russen meint da würde das gehen……dann mal los.

Unser Ivan steigt in den Fluss und geht vorsichtig auf die andere Seite zu. Wir sehen das Wasser immer höhe steigen. Aber höher als die Brust wird es nicht und nach einiger Zeit hat er die knapp 150 Meter breite Stelle überquert. Also versuchen wir es mit unseren Fahrzeugen auch….

Besatzung Wilfurth soll als erstes rüber…..der Kommandant hat bedenken und lässt alle bis auf den Fahrer aussteigen. Nun kommt es drauf an und vorsichtig schiebt sich der Panzer in den Fluss. Am Heck haben wir ein Stahlseil befestigt…man kann nie wissen. Nach knapp 60 Metern knallt es auch schon und der Panzer im Fluss wird wie von einer gigantischen Faust angehoben und durchgeschüttelt. Qualmend steht es im Fluss….war das Beschuss oder eine Fliegerbombe…..“Eine Mine im Fluss“  ruft einer….wo ist der Russe der uns die Stelle gezeigt hat. Ist wohl getürmt der Mistkerl. Angestrengt starren wir auf die andere Seite und sehen wie der Russe Reißaus nimmt. Oberfeldwebel Wilfurth schnappt sich einen Karabiner und nach dem dritten Schuss hat er den fliehenden erledigt. Kann man schon verstehen das er sauer ist, aber vielleicht wusste der Russe nichts von der Mine.

Wir springen in den Fluss und versuchen zu dem Panzer zu kommen. Hoffentlich sind  nur Panzerminen in dem Fluss die uns nicht gefährlich werden können. Als wir am Panzer ankommen schauen wir in die Fahrerluke. Der Fahrer ist nur noch zur Hälfte im Panzer. Der ganze Unterleib abgerissen  und  der Panzer ist vollgelaufen. Die Mine ist direkt und der linke Vorderkette hochgegangen. Was für eine Schweinerei…… Am Stahlseil gelangen wir zurück auf die andere Seite, der Kommandant von dem im Fluss stehen Panzer flucht wie ein Rohrspatz. Panzer im Eimer und Fahrer tot.

Mit vereinten Kräften der Zugmaschinen wird der Panzer wieder aus dem Fluss gezogen und wir schauen uns den Schaden genauer an. Den kriegt die Inst. Staffel nicht mehr hin. Die Reste des Fahrers werden aus dem Panzer geborgen und wir warten auf die Pioniere. Die sollen die Furt nun räumen.

Am Abend setzen wir endlich über….aber der Preis war hoch. 

Copyright 2019 : Alle Rechte bei dem Verfasser Sascha Ulderup