Kampfgruppe Feurstein / Kampf um Narvik

Tag Sammlerfreunde,

heute möchte ich einen doch eher seltenen Nachlass vorstellen, welcher mir freundlicherweise vom Sammler Peter Hauber (MFF Scania) zur Verfügung gestellt worden ist. Auch konnte ich Bilder von Gebirgsjäger – Nachlässen aus der Sammlung von Christian Bachmann (MFF Steinacher) bekommen um den Beitrag hier abzurunden.

Nachlass Komplett – Sammlung Peter Buchner

Es dreht sich hier um die Operation Weserübung und in diesem Kontext natürlich der Einsatz der Gebirgstruppen bezug nehmend auf den Nachlass des Soldaten Bruno Unterweger.

Ich habe eine ganz besondere Verbindung zu diesem Thema, da ich in meiner Zeit an der Offiziersschule der Marine in Flensburg Mürwik eine Seminararbeit über diese ganze Operation schreiben musste. Dazu fällt mir auch immer wieder ein was mein verstorbener Großvater und Kriegsveteran der Wehrmacht „Opa Walter“ gesagt hat und was ich auch in meiner Seminararbeit als Zitat verwendet habe.

„Was machen wir heute?“ (er gab sich immer selber die Antwort) „wir marschieren in Dänemark ein“.

Gruppe Unterweger Sammlung Peter Buchner (4)

Daraufhin sagte er erneut „ und was machen wir heute Nachmittag…..“

Ich lege das mal unter „Landserhumor“ ab und muss dazu sagen, das dem Ausbildungsleiter an der Offiziersschule der Marine dieses Zitat kein Lächeln entlockte…..nun es war eben der Beitrag eines Zeitzeugen wohl aber politisch nicht ganz konform.

Des weiteren verbindet mich mit Narvik das erste Ritterkreuz der Eisernen Kreuzes meiner Sammlung, welches ich aus der Familie des Kommandanten Z2 „Georg Thiele“ bekommen habe. Ein Stück mit viel Geschichte und für mich als Marinesoldat und ehemaliges Besatzungsmitglied auf einem Zerstörer der Marine etwas ganz besonderes.

Gruppe Unterweger Sammlung Peter Buchner (2)

 

Hier nun einige historische Fakten zur Weserübung und zur späteren Operation Büffel:

Unternehmen Weserübung war der Deckname für den mit der Kriegsmarine verübten Angriff der deutschen Wehrmacht auf Norwegen und Dänemark am 9. April 1940.

Strategische Ziele der Invasion waren die Besetzung der norwegischen Häfen, um die deutsche Ausgangsstellung im Krieg gegen Großbritannien zu erweitern und eine Seeblockade zu verhindern, die Kontrolle der Ostseezugänge und die Sicherung der Eisenerz-Versorgung der deutschen Rüstungsindustrie aus Kiruna (Schweden) über Narvik. Dänemark erschien den Planern unter General Nikolaus von Falkenhorst als Nachschubweg unverzichtbar. Langfristig sollten Norwegen und Dänemark in ein „Großgermanisches Reich“ auf dem europäischen Kontinent eingegliedert werden.

Gruppe Unterweger Sammlung Peter Buchner (3)

Sowohl Dänemark als auch Norwegen waren neutral. Dänemark hatte 1939 als einziges nordeuropäisches Land einen Nichtangriffspakt mit Deutschland geschlossen. Deutschland stellte beiden Staaten ein Ultimatum mit der Zusicherung, ihre territoriale Integrität und politische Unabhängigkeit nicht anzutasten, falls sie sofort kapitulierten. Norwegen lehnte ab; die Dänen akzeptierten nach wenigen Stunden Kampf. In der Schlacht um Narvik erlitt die Wehrmacht ihre erste Niederlage des Krieges, doch Anfang Mai war der britisch-norwegische Widerstand weitgehend gebrochen. Allerdings kapitulierte Norwegen erst am 10. Juni 1940, als der deutsche Sieg im Westfeldzug absehbar war und die Wehrmacht sich auch in Narvik durchsetzen konnte.

Gruppe Unterweger Sammlung Peter Buchner (1)

Eingesetzte Soldaten der Wehrmacht ca. 120.000

Soldaten der angegriffenen Länder 110.000 (davon 15.000 Dänemark, 60.000 Norwegen und 35.000 Alliierte)

Verluste Wehrmacht (Gefallen, verwundet, vermisst) 5296 Mann

Verluste Alliierte gesamt: (Gefallen, verwundet, vermisst) 6291 Mann

 

Im Zuge der Operation Weserübung wurde die Versorgung der kämpfenden Deutschen Truppen in Narvik zunehmend schwieriger……somit musste hier eine Lösung gefunden werden und somit schauen auf die 3. Gebirgsdivision.

Die ersten Soldaten der 3. Gebirgsdivision wurden in den Morgenstunden im Ofotenfjord in Narvik an Land gesetzt. Das hier stationierte 13. norwegische Infanterieregiment leistete nur geringen Wiederstand. Im Laufe des Tages gelang es den deutschen Truppen die Häfen Stavanger, Narvik, Oslo, Bergen und Drontheim von See her und aus der Luft zu besetzen.

Gruppe Unterweger Sammlung Peter Buchner (6)

Damit waren sie den britischen Expeditionsstreitkräften nur um Stunden zuvor gekommen. Die deutsche Marine erlitt in diesen Tagen die schwersten Verluste. Es entstand eine besondere strategische Situation. Die Royal Navy konnte ohne große Behinderung im Nordmeer operieren, die deutschen Kräfte konnten sich ohne größeren Wiederstände frei auf norwegischem Gebiet ausbreiten und einige Brückenköpfe ausbauen.

Gruppe Unterweger Sammlung Peter Buchner (5)

Die 3. Gebirgsdivision, unterstützt von den Besatzungen der gesunkenen Schiffe der Kriegsmarine, stieß dann bei Narvik auf heftigen Wiederstand der 6. norwegischen Division. Zusätzlich wurde diese ab dem 14. April durch die gelandete 24. britische Brigade unterstützt. Am 13. April waren britische, französische (u.a. Alpenjäger) und exilpolnische Truppen im Raum Andalsnes, Namsos und Narvik gelandet. Hauptschlag richtete sich auf Narvik wo im Laufe der Zeit rund 30.000 Mann an Land gingen.

Am 16. April können die Gebirgsjäger die Erzbahn im Raum Narvik bis zur schwedischen Grenze besetzen. Die Lage der deutschen Verteidiger gestaltete sich ab dem 17. April als äußerst kritisch, welches seitens Hitlers zu ersten Rückzugsgedanken auf schwedisches Gebiet führte.

Gruppe Unterweger Sammlung Peter Buchner (7)

General Dietl erhält dann aber doch, durch Überzeugungsarbeit von General Major Jodl (Leiter des Wehrmachtsführungsamt) den Befehl: „Halten so lange wie möglich“. Die schwachen deutschen Gebirgsjägerkräfte (ca. 2000 Mann) hatten sich so voll auf die Verteidigung Narviks eingestellt und leisteten erbitterten Wiederstand. Ein Frontalangriff Narviks mit Unterstützung von Schiffsartillerie konnte keinen Rückzug bewirken und zwang die alliierten Truppen zum Umdenken.

Der Besitz des Hafens hing schon alleine aus logistischen Gründen von der Beherrschung der einzigen Straße die von Trondheim (Südnorwegen) nach Narvik führte ab. Sie führte durch unwegsames und zerklüftetes Gelände und nahm daher neben Trondheim eine strategische Schlüsselrolle ein.

 

Am 30. April vereinigten sich die von Oslo und Drontheim vorrückenden Kräfte (u.a. 2. Gebirgsdivision) im Raum Dombas. Die norwegischen Landstreitkräfte und die alliierten Landungstruppen konnten zwischen dem 15. und 19. April bei Namsos und Andalsnes geschlagen, zur Kapitulation oder Rückzug gezwungen werden. Am 13. Mai starten die Alliierten mit 24.000 Mann den Großangriff auf Narvik.

Die deutsche Abwehrfront umfasste etwa 5400 Mann bestehend aus 2000 Gebirgsjägern, 2800 Marinesoldaten der versenkten Zerstörer und 600 nachgeführten Fallschirmjägern. Nach 2 Wochen schwerer Kämpfe mussten die deutschen Einheiten am 28. Mai aus Narvik nach Osten ausweichen und im Bereich der Bahnlinie neue Stellungen beziehen. Die Alliierten Kräfte konnten dann die vorgesehenen Zerstörungen in Narvik vornehmen. Unterdessen hatte die 2. Gebirgsjägerdivision den Befehl erhalten, sich nach Narvik durchzuschlagen ( Operation Büffel) um die eingeschlossenen Kräfte zu unterstützen. Daher befahl General Feurstein aus den über 1200 km auseinandergezogenen Kräften drei spezielle Bataillone für die Operation „Büffel“ zusammenzustellen. Ein Auftrag der wie geschaffen für die Ausbildung und Ausrüstung der Gebirgstruppen schien und mit Begeisterung aufgenommen wurde.

Die Route führte über 200km durch weglose und für die Deutschen unbekannte Gebirgsregionen zwischen Sörfold und Narvik. Die erforderliche Versorgung erfolgte aus der Luft. Am 13. Juni um 13:00 Uhr konnte die Sondereinheit nach 11 Tagen die Verbindung mit der 3. Gebirgsdivision melden. Während dieser Zeit hatten allerdings die Norweger am 9. Juni kapituliert nachdem die britischen Truppen bis zum 8. Juni sämtliche Einheiten aus Norwegen evakuiert hatten. Da am 10. Mai die Operation „Gelb“ angelaufen war, befürchtete man die Gefährdung der britischen Insel und beschloss daher den Rückzug aus Skandinavien.

Quelle www.gebirgsjäger.de

 

Hier auch noch eine Bericht den Christian Bachmann aus dem Buch: „Es war ein Edelweiss – Schicksal und Weg der zweiten Gebirgsdivision“ herausgeschrieben hat und zu dem dokumentierten Erlebnissen des Soldaten Bruno Unterweger passt.
Schicksal Oberleutnant Rieger der anfangs fälschlicherweise für tot erklärt wurde……

Bei der Aufstellung der Narvik-Freiwilligen für die zwei Fallschirmjägerkompanien, aus den Reihen der Salzburger Gebirgsjäger, hatte es geheißen: „Verheiratete scheiden aus! “
Oberleutnant Rieger hatte erst vor kurzem geheiratet und versuchte alles um trotzdem mitzukommen. Oberleutnant Rieger, mit Leib und Seele Soldat, setzt sich durch und mit seinem besten Freund aus der gemeinsamen Zeit auf der Militärakademie in Wiener Neustadt, Oberleutnant Erich Schwaiger, werden sie mit den zwei Kompanien für den Einsatz aufgestellt.

Am 24.Mai, Riegers 28.Geburtstag – geht es los, vom Flugplatz Värnes bei Trontheim in einer Fernstrecken-JU über 850km nach Narvik – Absprung aus 140m Höhe über Björnefjell.

Collection Feurstein – Gebirgsjäger – Sammlung Christian Bachmann (2)

Meldung bei General Dietl: „Rieger, i bin ja so froh, dass ihr kemmt´s! I brauch euch so notwendig wie das tägliche Brot!“

Am 26.Mai nachts Anmarsch entlang der Erzbahn nach Narvik. Bei den darauffolgenden Kämpfen, wie im gezeigten Einsatzbericht beschrieben, versucht Oberleutnant Rieger mit einem Boot ans andere Ufer zu kommen – zwei Mann fallen im Feuer der Polen, die anderen stürzen ins Wasser und versuchen an das Ufer zu schwimmen. Oberleutnant Rieger paddelt alleine weiter, wird zur Zielscheibe der Polen – spielt den Getroffenen und bricht zusammen. Nach dem einstellen des Feindfeuers paddelt Oberleutnant Rieger weiter, erreicht das Ufer, springt an Land, rennt vorwärts – einer französischen Kolonne in die Arme: „Allemand!“ Fünf Franzosen richten ihre Gewehre auf ihn.
Es ist alles vergeblich. Er ist gefangen und wird nach Frankreich gebracht. Mit Handschellen gefesselt, vom Pöbel bespien, treibt man ihn durch die Stadt Brest. Aber die Schlacht um Frankreich ist bereits im vollen Gange.
Am 23.Juni, genau einen Monat nachdem er sich als Freiwilliger für Narvik gemeldet hatte, steht plötzlich ein deutscher Unteroffizier in der Türe der Kaserne, in der man ihn eingekerkert hat. Frei!

Dies ist wohl der einzige Fall in der Geschichte des Krieges, bei dem ein Narvik-Kämpfer noch den Frankreich-Feldzug miterlebt hat.

Waffenstillstand – Oberleutnant Rieger kommt nach Salzburg zurück. Auf dem Bahnhof starrt ihm ein Gefreiter seiner Ausbildungskompanie erschrocken ins Gesicht. „Herr Oberleutnant sind ja laut gestrigem Regimentsbefehl tot!“
Nur ein Glück , das man das seiner jungen Frau verschwiegen hat. So kann er dieser selbst beweisen, dass er noch am Leben ist.

 

Ich hoffe mit diesem Beitrag konnte man einen kleinen Einblick in die Kämpfe um Narvik und die Soldaten der Gruppe Feurstein bekommen.

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Sammlergruß

Sascha

 

Copyright 2018 : Alle Rechte bei dem Verfasser Sascha Ulderup 

 

Obergefreiter mit dem EK 1…..und einer Geschichte !

Hallo Freunde,

heute möchte ich hier beginnen und interessante Nachlässe vorstellen. Der Schwerpunkt liegt nicht nur bei den Orden und Papieren sonder auch bei der Geschichte oder der persönlichen Verbindung zu dem Soldaten. In diesem Falle hat mein Sammlerfreund „Walle“ diesen schönen Bericht erstellt und ich durfte den hier vorstellen. Also viel Spaß beim lesen !

 

Hallo Sammlerfreunde,

heute möchte ich euch mal ein für mich besonderes Konvolut vorstellen. Es handelt sich dabei um den Nachlass meines vor einigen Jahren verstorbenen Sammlerfreundes Werner Fuchs.

Porträt Werner Fuchs

Werner war ein Sammler und Herr der alten Schule. Ich habe viel Zeit mit ihm verbracht und er hat mir dabei sehr viel von seinen Erlebnissen an der Ostfront erzählt. Ich konnte ihn zu Zeiten, wo es ihm gesundheitlich noch gut ging, Gott sei Dank dazu bewegen, einige davon auch aufzuschreiben. Werner war ein Sammler der ersten Stunde und aktiv bei den Anfängen der Ordenskundlichen Magazinen wie INFO und OMM usw. beteiligt. Seine Art zu recherchieren und sich für Hintergründe zu Auszeichnungen zu interessieren und nicht nur für das blanke Metall oder Papier hat er an mich weitergereicht und dafür bin ich ihm sehr dankbar.

Soldbuch Werner Fuchs

Da er keine Kinder hatte (sein einziger Sohn starb mit 17 an Leukämie und wäre in meinem Alter gewesen) verfügte er, dass der militärische Nachlass von seinem Onkel und ihm an mich überging.

EK 2 und Ostmedaille Werner Fuchs

Diesen Nachlass möchte ich nun vorstellen. Interessant ist er vor allem deshalb, weil er eindringlich aufzeigt, was ein einzelnen ‚popliges‘ Verwundetenabzeichen ins schwarz für den Beliehenen an Schmerzen und Folgen beinhalten konnte.

Werner wurde am 16.6.1941 zum 3./Inf.Ers.Batl. 465 in Naumburg eingezogen. Nach der Ausbildung als MG-Schütze kam er im september 1941 im Rahmen der 36. ID beim 6./IR. 118 an die Ostfront.

Eisernes Kreuz 1. Klasse Werner Fuchs

Bis zu seiner ersten Verwundung am 7./8.8.1943 wurden Werner folgende Auszeichnungen verliehen:

– am 23.7.1942 die Ostmedaille (ausgefertigt am 22.09.1944 im Lazarett in Neumarkt)
– am 26.11.1942 das EK 2
– am 10.08.1943 das EK 1 als Ogfr.
– am 29.08.1943 das Verwundetenabzeichen in schwarz
– am 25.01.1944 das Infanterie-Sturmabzeichen in silber

Infanterie-Sturmabzeichen Werner Fuchs

Werner’s Auszeichnungen sind größtenteil im Original erhalten bis auf das EK 1. Dieses stammt von dem Ritterkreuzträger Hauptmann Sonntag, welcher in unmittelbarer Nachbarschaft von ihm wohnte und es ihm zu Lebzeiten als Erinnerung schenkte. Sein eigenes EK 1 hat er bei der Beerdigung seines Sohnes in dessen Sarg gelegt. Das Verwundetenabzeichen der 1. Form hat er im Lazarett bei einem anderen Verwundeten gegen sein eigenes getauscht, da es im besser gefallen hat
Werner hat nie wieder gedient und er sagte mir mal dass er nach dem Krieg Spaziergänge von einer Dauer von mehr als eine Stunde abgelehnt hatte, da er in Russland mehr als genug gelaufen war. Einen Garten wollte er nicht, da er mit dem Feldspaten soviel Erde bewegt hat, dass er keinen Spaten mehr anrührte.

VA schwarz Werner Fuchs

Trotzdem hat er sich als Ordensinteressierter seine Auszeichnungen auch in allen Varianten nach dem Ordensgesetz von 1957 anfertigen lassen.

Hier nun ein paar Zeitungsausschnitte, die Werner während des Krieges gesammelt hat und sein letzter Bericht, in dem er von der EK 1 – Verleihung berichtet.

 

„Wie ich das Eiserne Kreuz erster Klasse (EK 1) bekam:

In der großen Doppelschlacht von Kursk und Orel im Sommer 1943 waren wir im Nordabschnitt bei Orel in der 9. Armee (Generaloberst Model) Da mein Gruppenführer, Obergefreiter Günther Grünewald, für das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz vorgesehen war, mussten wir neben den normalen Einsätzen noch eine Reihe von Sondereinsätzen bestehen; für mich als MG-Schütze 1 ergaben sich dann noch zusätzliche Einzelaktionen.

Ein paar Tage vor meiner letzten Verwundung – am Samstag 8. August1943, früh 09.00 Uhr im Jelnabogen südl. von Smolensk – sagte mir Günther, dass er mich zum EK 1 eingegeben habe. Das freute mich, weckte aber keine allzu große Hoffnung.
Hatte ich doch im vorangegangenen Jahr 1942 wegen des EK 2 einige Enttäuschungen erlebt.

Ein Oberfeldwebel, der erst mein Zugführer und später Kompanietruppführer war, konnte mich nicht leiden und hat vermutlich die Eingaben immer wieder verschwinden lassen. Das ging soweit, dass mein damaligen Gruppenführer, Uffz. Walter
Leonhard noch aus dem Lazarett anfragte, ob das EK für den „alten“ Fuchs nun endlich eingetroffen sei. Auch der Kompaniechef der 5./118, der mich und den ich kannte, fragte mich bei einer Begegnung: „Hast du das EK endlich bekommen „ Wenn dir das deine Leute nicht geben, bekommst du eines von uns.“

Wahrscheinlich hat er aber kurz darauf mit meinem Kompaniechef, Hauptmann Matthiesen 6./118 sprechen können und die Sache kam ins Rollen. Verschwinden lassen ging da wohl nicht mehr. Einige Zeit später war ich dran mit Heimaturlaub und ging abends mit den Essensträgern zurück zum Tross, um am nächsten Früh ab Ghatsk mit dem Zug in Richtung Heimat abzudampfen.

EK 2, Walter & Henlein AV Werner Fuchs

Beim Tross angekommen, fragte mich der Spieß, Hauptfeldwebel Hirsch, wo ich mein EK habe, er hätte es doch vor einigen Tagen nach vorne geschickt. Hatte doch dieser Oberfeldwebel das Ding zurück behalten und mich ohne die Auszeichnung in Urlaub fahren lassen. Der Hauptfeldwebel schickte in der Nacht noch einen Melder zur Kompanie, ließ das EK holen und überreichte es mir noch in der Nacht.

Der Oberfeldwebel ist dann 2 Tage nach meiner Verwundung am 10.August 1943 gefallen. Kurz vorher sind wir uns noch mal begegnet, da war er ausgesprochen nett und freundlich. Vielleicht weil er wusste, dass ich zum EK 1 eingegeben war. Nach der Verwundung kam ich über die Lazarette Smolensk und Warschau ins Heimatlazarett nach Neumarkt in Schlesien.

Meinen Eltern hatte ich von der Verwundung (Schussbruch linker Oberarm mit Knochenmarkentzündung) geschrieben und auch von der Einreichung zum EK 1 berichtet. Was tat mein Vater ? Er schreibt an den Ersatztruppenteil nach Kaiserslautern und fragt an, ob etwas von der EK-Verleihung bekannt sei. Man höre und staune, der Ersatztruppenteil antwortete : „ Ja, es geht in den nächsten Tagen zum Reservelazarett Neumarkt zwecks Verleihung.“ Das hat mir mein Vater postwendend mitgeteilt. Seit der Verwundung waren mehrere Wochen vergangen, der Arm-Brustgips abgenommen und die Sache bis auf eine Fistel zum Abfluss des Eiters abgeheilt. Um keine Langeweile aufkommen zu lassen, hatte ich mich als Hilfskraft auf dem Hauptgeschäftszimmer beworben und war auch
angestellt worden.

Eines Tages teilte mir der Spieß grinsend mit, es gäbe heute Abend eine große Überraschung. Er dürfte aber nicht sagen, worum es geht. Informiert durch meinen Vater machte ich das Spiel mit. Abends gegen 17.00 Uhr gingen wir ins Büro des Chefarztes, Oberstabsarzt Dr. v. Tempsky. Ich meldete vorschriftsmäßig: „ Obergefreiter Fuchs wie befohlen zur Stelle „ Völlig unprogrammmäßig kam die Erwiderung:“ Ach sie sind das!“ Hatte ich doch einige Tage vorher Ausgangssperre bekommen, weil ich beim
Einsteigen nach Zapfenstreich über den Hasenstall erwischt worden war. Nun wurde es wieder dienstlich. Der Chef begann mit seiner Ansprache: „Ich habe die Ehre und Freude, Ihnen im Namen des Führers und Oberbefehlshaber der Wehrmacht für ihren tapferen Einsatz usw.,usw….“

Dabei wurde seine Stimme immer etwas leiser und brüchiger, die Augen wurden feucht und dann bekam ich die Urkunde und das Etui mit EK. Völlig überraschend fragte er dann : „ Was haben Sie da gemacht ?“

Darauf völlig unvorbereitet sagte ich im schönsten NS-Jargon : „ Ich habe einmal eine russische Kompanie allein vernichtet.“

Für diese dumme prahlerische Antwort schäme ich mich heute noch. Ich hätte sagen können, ich war bei Orel als MG-Schütze 1 eingesetzt. Oder um auf meine Einzelaktion zu kommen; Ich konnte einmal als MG-Schütze einen russischen Angriff in Kompaniestärke allein abwehren.

Nach Verlassen des Büros fragte ich den Spieß wegen des Verhaltens des Chefs: „ Was war jetzt los ?“ da sagte mir der Hauptfeldwebel: „ Sie sehen seinem in Stalingrad gefallenen Sohn zum Verwechseln ähnlich.“

Unten im Hauptgeschäftszimmer hatten sich inzwischen eine Menge Leute eingefunden. Die ganze Zahlmeisterei, Sekretärinnen und sonstiges Stammpersonal, einige Schwestern und Ärzte. Im Sommer 1943 war ein EK 1 an einen Mannschaftsdienstgrad immer noch etwas besonderes. Nun hatte ich die Schachtel und Urkunde in die Rocktasche gesteckt, setzte mich an meinen Schreibtisch und tat, als ob ich weiterarbeitete.

Stille im Raum, bis endlich einer fragte: „ Na, haben Sie es denn bekommen ?“ Da holte ich die Sachen raus und legte sie auf den Tisch. Das Etui wurde geöffnet und das gute Stück von Hand zu Hand gegeben und bestaunt. Das wird verständlich, wenn man bedenkt, dass von allen Anwesenden nur ein Oberzahlmeister ein Schutzwallabzeichen besaß.

Dann bin ich ins Teillazarett Oberschule gegangen, wo im Zeichensaal mein Schlafplatz war. Mit ein paar Flaschen Bier wurde hier das Stück begossen.

Groß Aufhebens machte allerdings hier keiner; die kamen ja alle von der Front. Das Bier war wichtiger ! “