Operation Sizilien Schlachtschiff Tirpitz

Tag Sammlerfreunde,

heute möchte ich mal einen kleinen Marinenachlass vorstellen. Trotz der wenigen Dokumente hat der geschichtliche Hintergrund doch eine größere Tragweite als auf den ersten Blick vermuten lässt.

Ek 2 1939 Godec Kriegsmarine Tirpitz (5)

Bei diesem Nachlass eines Marinesoldaten der auf dem Schlachtschiff Tirpitz gedient hat, findet sie zunächst die Urkunde zum Flottenkriegsabzeichen der Kriegsmarine. Von einigen auch „Dickschiff“ Abzeichen genannt, konnten dieses Abzeichen nur Marinesoldaten erhalten welche die folgenden Voraussetzungen erfüllten:

Die Verleihungsbedingungen wurden im Marineverordnungsblatt vom 5. Juni 1941 veröffentlicht. Diese waren:

Flottenkriegsabezeichen Godec Kriegsmarine Tirpitz (7)
  • I. Allgemeine Bedingungen
    • Würdigkeit und gute Führung
  • II. Besondere Bedingungen
    • a) Bewährung auf einer oder mehreren Kriegsfahrten von zusammen mindestens 12 Wochen
    • b) von der unter a) festgesetzten Frist kann abgewichen werden:
      • 1. wenn die Unternehmung besonders erfolgreich war oder der einzelne sich hierbei besonders ausgezeichnet oder gefallen ist
      • 2. beim Verlust eines Schiffes durch Feindeinwirkung und in besonderen Fällen bei Verwundungen
      • 3. für die Teilnahme an beiden Gefechten bei Island (Rawaldpindi) und Jan Mayen
  • III. Verstorbenen, die die Voraussetzungen erfüllt oder annähernd erfüllt haben, kann das Abzeichen nur verliehen werden, wenn Ihr Tod die Folge einer Verwundung, eines Unglücksfalles oder einer Erkrankung ist, welche sie während der Feindfahrt erlitten bzw. sich zugezogen haben.
    Nadel 1 Godec Kriegsmarine Tirpitz (3)

    Nadel 2 Godec Kriegsmarine Tirpitz (4)
  • IV. An Besatzungen der sonstigen mit den Flottenstreitkräften eingesetzten Schiffe darf das Flottenkriegsabzeichen nur verliehen werden, wenn solche Schiffe in Verbindung mit Seestreitkräften mit Kampfaufgaben betraut waren.
  • V. Das Flottenkommando wird ermächtigt, die vorstehend gegebenen Bedingungen, nötigenfalls im Benehmen mit dem Kommandierenden Admiralen Nord und Ost, zu ergänzen.

Diese Voraussetzungen wurden über die Jahre erweitert und verändert, so das später weiter Marinesoldaten mit dem Abzeichen beliehen werden konnten.

Historische Fakten zu Tirpitz:

Die Tirpitz war ein im Zweiten Weltkrieg eingesetztes Schlachtschiff der deutschen Kriegsmarine. Sie gehörte der Bismarck-Klasse an und war nach dem deutschen Marinestaatssekretär und Großadmiral Alfred von Tirpitz benannt. Bis heute wurde in Europa kein größeres Schlachtschiff gebaut.

Den größten Teil ihrer Dienstzeit war die Tirpitz nach dem sogenannten Präsenzflotte-Konzept in Norwegen stationiert und bedrohte von dort allein durch ihre Existenz die alliierten Geleitzüge nach Murmansk. Gegebenenfalls sollte sie helfen, eine alliierte Invasion in diesem Gebiet abzuwehren. Nach mehreren vergeblichen Angriffen auf die Tirpitz wurde sie am 12. November 1944 bei einem Luftangriff der Royal Air Force im Sandnessund, einer Meerenge südwestlich der Insel Tromsøya, zum Kentern gebracht. Das Wrack wurde in den 1950er Jahren von einem norwegischen Bergungsunternehmen vor Ort verschrottet…..

 

Das Verleihungsdatum auf der Urkunde zum Flottenkriegsabzeichen passt in den Zeitraum der Operation „Sizilien“ die hier in einer Kurzfassung dargestellt wird:

Beschuss !!

 

Am 6. September 1943 lief aus dem Altafjord am Nordkap in Norwegen eine aus den Schlachtschiffen Tirpitz und Scharnhorst sowie neun Zerstörern bestehende deutsche Kampfgruppe aus. Sechs der Zerstörer hatten ein Bataillon mit etwa 600 Mann des Grenadierregiments 349 an Bord. Zweck des Unternehmens war die Zerstörung der Funk- und Wetterstation, des Elektrizitätswerks und der Kohleförderanlagen auf Spitzbergen.

Zwei Tage später, am 8. September gegen 3:30 Uhr früh, trennte sich der Verband. Die Scharnhorst und die sechs Zerstörer der 5. und 6. Zerstörer-Flottille liefen zum Grønfjord und Adventfjord, wo die mitgeführten Truppen ab etwa 7:00 Uhr ausgeschifft wurden. Die Tirpitz und die 4. Zerstörer-Flottille begannen zu diesem Zeitpunkt mit der Beschießung von Barentsburg und Umgebung, was die norwegischen Verteidiger schließlich zum Rückzug ins Hinterland zwang, während die Scharnhorst und ihre Zerstörergruppe Longyearbyen beschossen. Die deutschen Sprengtrupps zerstörten die wichtigen Anlagen, steckten die Kohlenhalden in Brand und gingen nach knapp drei Stunden wieder an Bord. Der deutsche Verband kehrte in den Altafjord zurück, wo er am 9. September eintraf.

Auf den deutschen Schiffen gab es durch die norwegische Gegenwehr allerdings Schäden und mehrere Tote. Z 29 erhielt vier Treffer vom Kaliber 10 cm, davon zwei in die Außenhaut, und hatte drei Tote zu beklagen. Z 31 erhielt 8 oder 10 Treffer und hatte ein Todesopfer. Z 33 wurde 36 mal getroffen und hatte ebenfalls drei Tote. Auf dem Rückmarsch fuhren Z 29 und Z 33 wegen der Löcher im Rumpf und ihrer dadurch verminderten Seefähigkeit in Lee der beiden Schlachtschiffe.

38 Monate Godec Kriegsmarine Tirpitz (1)

 

  • Bereits am 19. Oktober setzten der amerikanische Schwere Kreuzer Tuscaloosa sowie drei britische und ein amerikanischer Zerstörer norwegische Truppen auf Spitzbergen ab, um den Stützpunkt wiederherzustellen. Schon im Winter 1943 stand und operierte die Wetterstation der Alliierten wieder.

 

Beteiligt waren auf Deutscher Seite:

  • Schlachtschiff Tirpitz
  • Schlachtschiff Scharnhorst
  • 4. Zerstörer-Flottille mit Z 33 (Führerboot), Z 29 und Z 31
  • 5. Zerstörer-Flottille mit Erich Steinbrinck (Führerboot), Z 27 und Z 30
  • 6. Zerstörer-Flottille mit Karl Galster (Führerboot), Theodor Riedel und Hans Lody

Anzumerken ist das die Stadt Longyearbyen nahezu vollständig zerstört wurde. Der durch eine dabei in Brand geschossene Schachtanlage entstandene Schwelbrand konnte erst 1963 !!!!! erstickt werden.

Auch sehr Bemerkenswert ist die Operation Sizilien aber durch die Tatsache, dass sie den einzigen echten Kampfeinsatz der TIRPITZ unter Einsatz ihrer schweren Artillerie bedeutete. Sie verschoss während des Einsatzes 52 Schuss des Kalibers 38cm und 82 Schuss des Kalibers 15cm.

Beschuss Spitzbergen 1943 (7)

Einem glücklichen Umstand zu verdanken ist die Tatsache das ich beim durchsuchen meines Archives zufällig auf einige von mir eingescannte Seiten eines Fotoalbums gestoßen bin, das eben dies Kampfgruppe beim Angriff auf Spitzbergen zeigt.

 

Bei diesem Unternehmen erhielt der Soldat auch das Eiserne Kreuz 2. Klasse für Tapferkeit am 12. September 1943.

Die Urkunde zum Flottenkriegsabzeichen sowie die Urkunde zu Eisernen Kreuz 2. Klasse wurden beide durch Admiral Oskar Kummetz unterschrieben.

 

Abgerundet wird diese kleine Gruppe durch die Verleihung der Tirpitz Nadel. Diese Nadel wurde an verdiente Soldaten des Schlachtschiffe Tirpitz verliehen. Dieser Marinesoldat war insgesamt 38 Monate auf der Tirpitz und wurde dann 1944 zur Ubootwaffe versetzt.

Laut meinen Unterlagen fuhr er dann noch bis zum Ende des Krieges auf U137

Historische Fakten zu U 137:

 

Der Auftrag für das Boot wurde am 25. September 1939 an die Werft Deutsche Werke, Kiel vergeben. Die Kiellegung erfolgte am 16. November 1939, der Stapellauf am 18. Mai 1940. Die Indienststellung unter Oberleutnant zur See Herbert Wohlfarth fand schließlich am 15. Juni 1940 statt.

U 137 Godec Kriegsmarine Tirpitz (2)

Das Boot gehörte nach seiner Indienststellung am 15. Juni 1940 bis zum 31. August 1940 als Ausbildungsboot zur 1. U-Flottille in Kiel. Nach der Ausbildung gehörte U 137 vom 1. September 1940 bis zum 19. Dezember 1940 als Frontboot zur 1. U-Flottille in Kiel. Nach dem Fronteinsatz kam das Boot vom 20. Dezember 1940 bis zum 5. Mai 1945 als Schulboot zur 22. U-Flottille nach Gotenhafen bzw. Wilhelmshaven. (Es wurde zum Krieg gegen die Sowjetunion von Juni 1941 bis August 1941 als Frontboot reaktiviert).

U 137 unternahm während seiner Dienstzeit fünf Feindfahrten, auf denen es sechs Schiffe mit 24.136 BRT versenken und zwei Schiffe mit 15.469 BRT beschädigen konnte.

Das Boot wurde am 5. Mai 1945 in Wilhelmshaven in der Westkammer der IV. Einfahrt (Raederschleuse) gemäß dem lange bestehenden, allerdings von Großadmiral Dönitz noch am Abend des 4. Mai 1945 aufgehobenen Regenbogen-Befehl von seiner Besatzung selbstversenkt.

Der Soldat Godec überlebte den Krieg und lebte mit seiner Familie noch viel Jahre glücklich zusammen.

 

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Sammlergruß

Sascha

 

Copyright 2018 : Alle Rechte bei dem Verfasser Sascha Ulderup

 

PS: Durch die Hilfe einiger Sammler kann ich nun tatsächlich eines der wenigen Originalstücke hier vorstellen. Die Tirpitznadel !

Original and rare Tirpitz Needle

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